Kindersoldaten – auch in Deutschland?!

Mo 22. Januar 2018
20:00bis21:30

MontagsDiskU! 22. Jan. 2018, 20 Uhr im Friedensbüro, Speyererstr. 14, 68163 MAReferent Michael („Michi“) Schulze von Glaßer
Bei Kindersoldaten denken die wenigsten an Deutschland und die Bundeswehr. Tatsache ist aber, dass die Bundeswehr Minderjährige aufnimmt und ausbildet. Damit verstößt sie gegen die UN-Kinderkonvention. Wie viele unter 18-Jährige sind bei der Bundeswehr, warum lässt diese das zu? Worin unterscheiden sie sich von denjenigen für kriegerische Zwecke missbrauchten jungen Menschen in Entwicklungsländern?
Bei Kindersoldaten denken die wenigsten an Deutschland und die Bundeswehr. Tatsache ist aber, dass die Bundeswehr Minderjährige aufnimmt und ausbildet. Damit verstößt sie gegen die UN-Kinderkonvention. Wie viele unter 18-Jährige sind bei der Bundeswehr, warum lässt diese das zu?

Antworten und Hintergrundinformationen gibt es von Michael („Michi“) Schulze von Glaßer, den wir zum Jahresauftakt als profunden Kenner der Materie zur MontagsDiskU! eingeladen haben. Der junge Politikwissenschaftler (Jahrgang 1986) veröffentlichte 2012 das Buch „Soldaten im Klassenzimmer. Die Bundeswehr an Schulen“ und beschäftigt sich seither mit diesem Thema. Michi engagiert sich als Politischer Geschäftsführer der DFG-VK gegen die schleichende Militarisierung der Gesellschaft, indem die Bundeswehr ihren Einfluss auf Schulen und Universitäten mit ausgeklügelten Kampagnen in den (sozialen) Medien verstärkt. Michi bezeichnet sich als Angehörigen der „Generation Counterstrike“ und „gesteht“, dass er mit diesem Ballerspiel in seiner Jugend„ viele Tage und Nächte verbracht“ habe. Seit 2009 beschäftigt er sich mit Videospielen auch journalistisch. Dabei interessieren ihn insbesondere die „darin erzählten Geschichten samt der Produktion von Feindbildern und der Verherrlichung von Krieg.“ Er gibt aufschlussreiche Antworten auf die Frage, „welche Rolle spielen die Rüstungsindustrie und das reale Militär bei der Erstellung virtueller Welten?“ Die Zitate stammen aus Michis Buch „Das virtuelle Schlachtfeld. Videospiele, Militär und Rüstungsindustrie“, das 2014 erschienen ist. Beide Bücher sind sehr informativ und auch heute noch (leider) sehr aktuell.

Die Bundeswehr rekrutiert immer mehr Unter-18-Jährige für ihren Apparat und für die Ausbildung an der Waffe, um dadurch den Nachwuchs für immer mehr Auslandseinsätze aufzubauen Mit eigens ausgebildeten Jugendoffizieren und sogenannten Karriereberatern gelingt es der Bundeswehr, die jungen Menschen (und deren Eltern) glauben zu machen Soldaten-sein sei ein Beruf wie jeder andere. Der Auftritt der Bundeswehr an Schulen und auch auf Jobmessen – wie seit Jahren auf der „Jobs for Future“ in Mannheim hat tatsächlich aber mehr mit Propaganda als mit ausgewogener Abwägung und Aufklärung zu tun. Ausgerechnet bei „Sport und Spiel am Wasserturm“ und auf dem Mannheimer Maimarkt nutzen die Olivgrünen die Technikfaszination und locken mit Ausbildung, Aufstieg und Auslandserfahrung junge Menschen in die Kaserne. SoldatInnen sind ein willfähriges Instrument auch der deutsche Regierung, um Machtinteressen durchzusetzen: Anfang Januar 2016 waren mehr als 3100 SoldatInnen in 18 Auslandseinsätzen. Frieden haben deutsche (wie auch andere SoldatInnen) aber weder in Afghanistan noch im Kosovo oder in Mali geschaffen. Dass viele von ihnen mit schweren seelischen Belastungen und anderen Verletzungen oder im Sarg heimkehren, verschweigen die Bundeswehrwerber gerne.

Am 9. Juni 2018 veranstalten die Militärs den „Tag der Bundeswehr“ in zahlreichen Orten, darunter auch in Mannheim. Im hellblauen Flyer versprechen die Olivgrünen das Blaue vom Himmel: Mit „Technik, Action, Bildung, Karriere und Spaß für die ganze Familie“ will die Bundeswehr wieder Tausende von Menschen anlocken. Als „Highlight“ kündigt sie u. a. „Vorführungen von Soldatinnen und Soldaten“ an. Da ist der Bundeswehr offensichtlich ein Freudscher Versprecher unterlaufen, weil sie wahrscheinlich Vorführungen durch(!) Soldaten sagen wollte. Doch es ist bezeichnend für eine sogenannte Sicherheitspolitik, die Frieden mit Waffen- und Militäreinsätzen zu erreichen glaubt, dass sie zum Einsatz von Soldatinnen und Soldaten ein instrumentelles Verhältnis hat und sie als Mittel zum Zweck betrachtet.

Die Bundeswehr hat sich ihren Einfluss auf die Schulen (und auch auf die Ausbildung der ReferendarInnen) durch die sogenannten Kooperationsabkommen mit den Bildungsministerien in Bundesländern gesichert, darunter auch in Baden-Württemberg. Darüber wird uns Michi bei der MontagsDiskU! berichten und auch darüber, wie die Friedensbewegung das zu ändern sucht u. a. mit der Kampagnen Schulfrei für die Bundeswehr Lernen für den Frieden. www.schulfrei-für-die-bundeswehr.de

Der Abend kann ein guter Auftakt dafür sein, dem Auftritt der Bundeswehr an ihrem Propagandatag am 9. Juni echte Fakten entgegenzusetzen.

Veranstalter: DFG-VK MA-LU, siehe https://mannheim.dfg-vk.de/mannheim-start